Enhanced Games in Las Vegas: Trump-Sohn lässt „moderne Gladiatoren das Volk unterhalten“
%2CregionOfInterest%3D(1169%2C580)%26hash%3Dacc2d00ca154823c5d3f96884da46f4e7f0bbdaa5faf3d1e6d44445b181d0408&w=1280&q=100)
Am Sonntag finden die Enhanced Games statt – ein sportlicher Wettkampf, bei dem Doping ausdrücklich erwünscht ist. Die Athleten nehmen gesundheitliche Risiken zu Unterhaltungszwecken auf sich. Das erinnert an das antike Rom.
Laut Veranstalter sollen in Las Vegas die „Spitzensportler die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit ausloten”. Die einen urteilen, es ist verrückt und verurteilen die Selbstoptimierung. Die anderen sagen, es geht um den Fortschritt der Langlebigkeits-Medizin und eine wissenschaftliche Studie.
Die Preisgelder gehen in die Hunderttausenden, wer es schafft einen offiziellen Weltrekord zu unterbieten, kann sogar bis zu einer Million US-Dollar gewinnen. Möglich machen das begeisterte Investoren wie der US-Präsidentensohn Donald Trump Jr. und Paypal-Gründer Peter Thiel.
„Im Spitzensport gibt es den Vergleich, dass die Athleten moderne Gladiatoren sind, die das Volk unterhalten. Aber hier ist es eben noch mal auf die Spitze getrieben.”
Das gibt David Schulz, Sportwissenschaftler und Vorstand der Stiftung Sicherheit im Sport, im Gespräch mit FOCUS online zu bedenken.
Im Vorfeld haben die Athleten ein 16-wöchiges Vorbereitungsprogramm durchlaufen: Ernährung, Training, Regeneration und auf die jeweilige Person abgestimmtes Doping. Währenddessen wohnten die Sportler in einem Fünf-Sterne-Hotel in Abu Dhabi.
„Die Gladiatoren wurden auch aufs Beste betreut. Sie bekamen das beste Essen, die besten Voraussetzungen zu trainieren. Und auch damals gab es schon vermeintlich leistungssteigernde Nahrungsmittel. An diese Tradition scheint das irgendwo anzuknüpfen", sagt Schulz.
,regionOfInterest=(2788,951)&hash=223d851a7da77c15404b1a5168429172f6240cf6c1f5f3b0e210310e45fc9bb0)
Der Vergleich hat natürlich seine Grenzen. Doch was den Sportlern konkret verabreicht wird, ist alles andere als unbedenklich. Nach Informationen des „Deutschen Ärzteblatts” zählen dazu
- bestimmte Testosteron-Präparate (zugelassen zur Hormonersatztherapie, etwa bei krankhaftem Testosteronmangel)
- anabole Steroide (zugelassen zur Hormonersatztherapie, etwa bei krankhaftem Testosteronmangel)
- Erythropoetin (zugelassen zur Behandlung von Blutarmut)
- Adderall (ein in den USA zugelassenes Amphetamin, das zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird)
- Modafinil (Zugelassen für die Behandlung von exzessiver Schläfrigkeit, etwa bei Narkolepsie)
„Alle verabreichten Substanzen werden individuell angepasst und richten sich nach den persönlichen medizinischen Befunden der Athleten”, erklären die Veranstalter auf Anfrage von FOCUS online. „Es handelt sich weder um ein Prüfpräparat noch um ein Tierarzneimittel oder um eine illegale Substanz.”
Alle eingesetzten Substanzen seien legal und durch entsprechende Arzneimittelbehörden zugelassen. Das stimmt.
Doch auch diese Medikamente unterliegen einer ziemlich einfachen Grundregel: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Lässt eine Arzneimittelbehörde eine Substanz zur Behandlung einer Erkrankung zu, ist sie zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen überwiegt. Die Athleten sind aber nicht krank, der „Nutzen” bezieht sich rein auf die körperliche Verbesserung. Die Nebenwirkungen bleiben mindestens die gleichen.
„Ein einfaches Beispiel sind anabole Steroide”, sagt Schulz. Eigentlich zugelassen als Hormonersatztherapie bei krankhaftem Testosteronmangel, werden diese seit Jahrzehnten für den Muskelaufbau missbraucht. Er erklärt:
„Unter dem entsprechenden Training wächst der Muskel dadurch extrem schnell. Aber andere Strukturen des Körpers, etwa Sehnen und Bänder, entwickeln sich langsamer in ihrer Stabilität. Damit kann es in diesem Bereich vermehrt zu Verletzungen kommen.”
Auch die Organe werden in Mitleidenschaft gezogen, vor allem das Herz. Eine aktuelle Auswertung zeigt etwa, dass Wettkampf-Bodybuilder überdurchschnittlich häufig an plötzlichem Herztod sterben.
Im welchem Verhältnis steht aber der Wunsch nach Leistung gegenüber den teils heftigen Nebenwirkungen? Eine Diskussion, die im Sport schon ewig geführt wird – allerdings auch schon genauso lang unter den Teppich gekehrt. „Auch jetzt nutzen viele Athleten schon leistungssteigernde Substanzen, werden aber nicht erwischt. Es gibt Befragungen die zeigen, dass es eine relativ große Dunkelziffer gibt”, sagt Schulz dazu.
In Deutschland sei die Nationale Anti Doping Agentur allerdings vergleichsweise streng. „Hier müssten die Athleten gegen das System 'andopen', wenn sie es machen wollen. Sie müssen sich Verbündete, Ärzte sowie das Mittel besorgen. Und das alles heimlich.” Die Substanzen kommen dann meist über fragwürdige Quellen aus dem Internet und werden nach eigenem Ermessen eingenommen. Auch im Breitensport ist das verbreiteter als man annehmen würde.
Daraus ergibt sich eins der zentralen Argumente von Enhanced: Transparenz. Denn das Programm ist eine zugelassene klinische Studie, durchgeführt vom Gesundheitsministerium von Abu Dhabi. Alle Substanzen sind geprüft, erfahrene Mediziner verabreichen sie in kontrollierten, individuell abgestimmten Dosierungen, die Ergebnisse werden öffentlich gemacht.
„Was glauben Sie, welches System sicherer ist?” fragen uns die Veranstalter. Die Studie solle zu Folgendem beitragen:
„Die Erkenntnisse aus dieser klinischen Studie werden in die Verschreibungsrichtlinien für Millionen von Menschen einfließen, damit diese sicher von der Longevity-Medizin profitieren können. Und nicht von Produkten aus dem Graumarkt auf Social Media oder von Medikamenten, die Sportler in den dunklen Ecken von Trainingsräumen einnehmen.”
Als „gefährliches und unverantwortliches” Konzept verurteilte die Welt-Anti-Doping-Agentur die Spiele. „Die Macher der Enhanced Games wollen vielleicht schnelles Geld verdienen, aber dieser Gewinn geht auf Kosten von Kindern auf der ganzen Welt, die glauben, dass sie Dopingmittel nehmen müssen, um ihre Träume zu verwirklichen”, erklärte der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart.
Auch David Schulz sorgt sich darum, was die Enhanced Games bewirken: „Hier wird die Botschaft gesendet, dass das eigentlich alles sicher ist und überhaupt gar kein gesundheitliches Risiko darstellt. Es wird auch suggeriert: 'Bist du enhanced, siehst du gut aus'.” Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen könne sich dieses Narrativ über die sozialen Medien verfangen und sie stark beeinflussen.
Die Veranstalter sehen das anders: „Wir glauben, dass eine transparente globale Diskussion zu diesem Thema dazu beitragen wird, junge Menschen aufzuklären und zu schützen, die ihre Informationen sonst von unqualifizierten Personen auf TikTok beziehen oder – schlimmer noch – glauben, dass 50 Prozent der Sportler keine verbotenen Substanzen einnehmen."
Enhanced habe es sich deswegen zum Ziel gesetzt, „einen sicheren, regulierten, transparenten und medizinisch gesteuerten Prozess zu etablieren”. In anderen Worten: Die Spiele und die Studie sollen dazu beitragen, den Gebrauch der Substanzen im Alltag zu normalisieren. Denn nur so lässt sich damit auch Geld verdienen. Im Onlineshop kann man sich schon jetzt diverse Medikamente mit wenigen Klicks von einem Arzt verschreiben lassen.
Laut Unternehmen ginge es bei dem Angebot darum, die Gesundheit, Langlebigkeit und Vitalität der Kunden zu optimieren. Für Schulz passt das nicht zusammen:
„Ein Arzt sollte immer in allererster Linie die Gesundheit seines Patienten im Blick haben. Hier geht es darum, dass der Arzt in erster Linie die Leistungsfähigkeit seines Patienten im Blick hat. In diesem Fall stehen sich diese Perspektiven diametral gegenüber.”
Dass Athleten überhaupt an den Enhanced Games teilnehmen, hat für Schulz auch mit den finanziellen Realitäten des Spitzensports zu tun. Viele Athleten verdienen trotz jahrelanger Höchstleistungen und maximalem Druck vergleichsweise wenig. Auch der deutsche Teilnehmer Marius Kusch erklärte zuletzt, ihm habe der Sport nie finanzielle Stabilität verschafft, um sich eine Zukunft aufzubauen.
Die Veranstalter treffen also zurecht einen wunden Punkt, wenn sie „faire Bezahlung” und allein für die Teilnahme am Wettkampf eine garantierte Auszahlung von 50.000 Dollar versprechen. Gleichzeitig entsteht daraus ein ethisches Spannungsfeld.
Finanzielle Entlohnung abseits von einer Aufwandsentschädigung sind bei medizinischen Studien in der Regel verboten. Es soll kein Anreiz entstehen, mögliche gesundheitliche Schäden gegen Bezahlung in Kauf zu nehmen. Die hohen Preisgelder entlohnen die Teilnahme in diesem Fall aber zumindest indirekt.
Kusch geht offen damit um, dass sein Hauptantrieb für die Teilnahme das Geld ist. Schulz bilanziert: „Es wäre schön, wenn das nicht notwendig wäre und wenn Spitzenathleten auch so ein vernünftiges Auskommen und bessere Aussichten danach hätten.”
Gründer der Spiele ist Aron D'Souza. Er sieht sich auf einer Mission, „eine neue Supermenschheit zu schaffen". Der Mitte der 1980er Jahre geborene Australier machte seinen Abschluss in Rechtswissenschaften in Oxford. Er ist auch Gründer eines KI-Tribunals, das Behauptungen in Medien überprüfen soll. Der Kampf gegen Doping ist für D'Souza heuchlerisch, 99 Prozent der Sportler würden ohnehin zu Doping greifen, behauptete er.
Geschäftsführer der Spiele ist der gebürtige Münchner Maximilian Martin. Ein ehemaliger Investmentbanker, der in Deutschland und den USA studierte. Martin investierte viel in das neue Projekt. „Ich habe schnell bemerkt, dass Enhanced für mich die aufregendste Firma ist, die ich je gesehen habe”, sagt er in einem „Forbes”-Bericht.
Er und Christian Angermayer, der als Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer geführt wird, waren D'Souza 2023 begegnet. Angermayer ist Milliardär, Filmproduzent und unter anderem auch Mitgründer eines Biopharma-Unternehmens. Er stammt aus der Oberpfalz und investierte schon in Kryptowährungen, Psychedelika, Gehirnimplantate und Longevity (Langlebigkeit).dpa
FOCUS

%2CregionOfInterest%3D(812%2C1095)%26hash%3Dbe158cb6a04cd493084f4fb5f69f8d44d3e8e11a1b1235364effa24fa592dce6&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(372%2C205)%26hash%3D9d87ff61fb4921032a4ee10b7c6deb16297aa705c24c48886f4215ab9afa2bf6&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(379%2C386)%26hash%3Dbd3a5232b0fab209f777748cf5a6749a8d625c405a456dd61230f56856a28069&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(866%2C866)%26hash%3D1c3b9fa8ea5d6e8c63fc8dce32b1f59756f6fc8cd9540c80f9b9d8148e47be7d&w=1280&q=100)