Ebola-Patient in Berlin: Hinter den Kulissen der Sonderisolierstation der Charité

An der Charité wird derzeit ein Patient behandelt, der am Ebolavirus erkrankt ist. Der Arzt aus den USA infizierte sich in der Demokratischen Republik Kongo. Er wurde nach Berlin ausgeflogen und in die Sonderisolierstation der Charité gebracht. Diese befindet sich auf dem Campus Virchow in Wedding. Seine Frau und die vier Kinder wurden als Kontaktpersonen ebenfalls dorthin verlegt.
Mit 20 Betten ist sie die größte Sonderisolierstation Deutschlands. Spätestens zwei Stunden nach einem gemeldeten Infektionsfall ist sie vollständig einsatzbereit. Ebola, aber auch das Marburg-Virus-Fieber oder die sogenannte Lungenpest und andere lebensgefährliche Infektionskrankheiten können auf dieser Station mit moderner Medizintechnik behandelt werden.
Integriert sind ein multifunktionaler Operationssaal sowie ein Labor. Neben dem kürzeren Transportweg waren Ausstattung und Expertise für die US-Gesundheitsbehörde CDC ausschlaggebend, Deutschland um Hilfe in diesem Fall zu bitten. Doch wie funktioniert nun diese Sonderisolierstation?
„Die Station ist als eine in sich geschlossene und geschützte Einheit konzipiert und ermöglicht die sichere Isolation, Diagnostik und Behandlung von bis zu 20 Personen gleichzeitig, ohne die regulären Krankenhausabläufe zu beeinträchtigen“, teilt die Charité mit. Sie verfüge über „hochspezialisierte Infrastruktur für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten sowie für medizinische Lagen mit unklaren biologischen, chemischen oder radiologischen Kontaminationen“.
In der Station gibt es zwölf Schleusenzimmer. Sie fungieren als eine Art Barriere, die verhindert, dass Erreger den Patientenbereich verlassen. „Ob Wäsche, Abwasser oder auch die Luft – nichts verlässt die Station, ohne aufbereitet, gefiltert oder desinfiziert zu werden“, so die Charité. Auf den Patientenzimmern selbst herrscht Unterdruck, um zu verhindern, dass auch nur kleinste Partikel entweichen.Die Sonderisolierstation befindet sich am Rand des Campus Virchow. Bei einer starken Auslastung wird Personal in Rufbereitschaft aktiviert und eventuell durch Ärzte und Pflegekräfte vom Campus Mitte verstärkt. Ein gutes Dutzend Ärzte sowie etwa 30 Pflegekräfte würden zusammengezogen.
Die Beschäftigten auf der Station tragen Schutzanzüge, die den ganzen Körper umschließen und die Anmutung von Raumanzügen haben. Mittels externem Gebläse wird darin ein Überdruck erzeugt und die Luft gefiltert. Die Anzüge bestehen aus einem speziellen Material, das keine Viren oder andere winzige Partikel durchlässt. Laut Charité arbeiten Ärzte und Pflegekräfte maximal vier Stunden in der Schutzkleidung. Danach wird sie in einer Schleuse komplett desinfiziert und anschließend entsorgt.
Essen und Toilettengang außerhalb der StationDie Anzüge werden nach einem standardisierten Ablauf angezogen. Dabei helfen sich Teammitglieder untereinander. Ebenso bei der Dekontamination, bevor der Patientenbereich verlassen wird. Während eines Sonderisolierfalls wie derzeit ist das Essen und Trinken nur außerhalb der Anzüge möglich, ebenso wie der Toilettengang. „Das An- und Ablegen der Schutzanzüge, die Kommunikation im Anzug oder auch der regelmäßige Partner-Check, um beispielsweise den Akkustand der Luftzufuhr zu kontrollieren, ist nur im Team möglich.“
Kommuniziert wird über Headsets. Die Station ist videoüberwacht. „Dies ermöglicht auch Telemedizin und somit eine effektive Zusammenarbeit mit externen Fachkräften und Organisationen“, erläutert die Charité. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-System.
Regelmäßiges Training für den Ebola-ErnstfallDas in der Sonderisolierstation eingesetzte Personal trainiert regelmäßig für den Ernstfall. So fand 2022 ein größere Übung statt. Ärzte und Pflegekräfte bereiten sich nicht nur auf die Behandlung von gefährlichen Erregern wie Ebola vor, sondern auch auf chemische, biologische, radiologische oder nukleare Gefahrenlagen.
Die Sonderisolierstation gehört zum „Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren durch hochpathogene Erreger“, kurz STAKOB. Sechs weitere solcher Einrichtungen gibt es in Deutschland: in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Leipzig, Stuttgart und München.
Lesen Sie mehr zum Thema
Berliner-zeitung

%2CregionOfInterest%3D(812%2C1095)%26hash%3Dbe158cb6a04cd493084f4fb5f69f8d44d3e8e11a1b1235364effa24fa592dce6&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(372%2C205)%26hash%3D9d87ff61fb4921032a4ee10b7c6deb16297aa705c24c48886f4215ab9afa2bf6&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(379%2C386)%26hash%3Dbd3a5232b0fab209f777748cf5a6749a8d625c405a456dd61230f56856a28069&w=1280&q=100)
%2CregionOfInterest%3D(866%2C866)%26hash%3D1c3b9fa8ea5d6e8c63fc8dce32b1f59756f6fc8cd9540c80f9b9d8148e47be7d&w=1280&q=100)