Psychische Störungen: 42 Prozent aller Erwerbsminderungen betroffen

Präventionsforums der Nationalen Präventionskonferenz (NPK). Am Dienstag trafen sich mehr als 200 Experten in Berlin, um über neue Strategien für die Gesundheitsvorsorge in der Arbeitswelt zu diskutieren. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat in diesem Jahr den Vorsitz der Konferenz übernommen.
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Psychische Störungen kosten MilliardenDie Zahlen sind alarmierend: Psychische Erkrankungen waren 2024 für 16,7 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Noch deutlicher wird der Handlungsbedarf bei den Erwerbsminderungsrenten: Rund 42 Prozent gehen auf psychische Störungen zurück.
Die Digitalisierung spielt dabei eine zwiespältige Rolle. Sie bietet Chancen, birgt aber auch Risiken wie den sogenannten Technostress. „Führungskultur, Gewaltprävention, Mobbing und Suchtprävention sind zentrale Handlungsfelder“, hieß es von den Teilnehmern. Die Präventionsarbeit müsse sich stärker an den Lebenswelten der Beschäftigten orientieren.
Neue Wege in der betrieblichen KrankenversicherungWährend die Politik debattiert, entwickeln Versicherer konkrete Angebote. Die Nürnberger Versicherung bringt gemeinsam mit dem Partner XUND das Produkt „PRAEVIA“ auf den Markt. Es ist für die betriebliche Krankenversicherung (bKV) gedacht.
Das Konzept setzt auf einen durchgängigen Präventionspfad. Digitale Risikoanalysen und Vorsorgemaßnahmen sollen Ausfallzeiten reduzieren und die Nutzung von Vorsorgeangeboten steigern. Statt bloßer Kostenerstattung steht die präventive Begleitung im Fokus.
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Technik für mehr SicherheitBereits im Mai zeichnete die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in Innsbruck innovative Sicherheitssysteme aus. Beim „Forum Prävention“ erhielten unter anderem die Kleemann GmbH für eine mobile Brechanlage und die Sick AG für ein Kollisionsschutzsystem den Safety-Award.
Experten betonten dort: Das subjektive Risikogefühl täuscht oft. Datenbasierte Analysen sind nötig. Zwar sank die Zahl der Arbeitsunfälle 2025 insgesamt, doch Unfälle durch Gewalt nehmen zu.
Hitzeschutz wird zur PflichtaufgabeDer Klimawandel stellt die Präventionsarbeit vor neue Herausforderungen. Das rheinland-pfälzische Kabinett befasste sich am Montag mit konkreten Hitzeschutzmaßnahmen. Gesundheitsminister Clemens Hoch bezeichnete den Schutz vor Extremhitze als zentrale Aufgabe der Kommunen.
Facility-Management-Experten fordern, Hitzeschutz fest in die Bewirtschaftung von Arbeitsstätten, Schulen und Pflegeheimen zu integrieren. Nachtlüftung, Begrünung und Temperaturmonitoring stehen auf der Agenda. Die Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) warnt: Deutschland sei auf Szenarien mit bis zu 40 Grad nicht ausreichend vorbereitet.
Ruf nach radikalen MaßnahmenDie Deutsche Akademie für Präventivmedizin (DAPM) geht noch weiter. In einem Positionspapier fordert sie einen Zigarettenpreis von mindestens 20 Euro pro Schachtel und ein vollständiges Werbeverbot für Tabak- und E-Zigaretten.
Die Begründung: 70 bis 80 Prozent der Gesundheitsausgaben fließen in die Behandlung chronischer Erkrankungen. „Das aktuelle System belohnt die Behandlung von Krankheiten statt deren Vermeidung“, kritisiert die Fachgesellschaft. Prävention müsse wirtschaftlich attraktiver werden.
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