Muss ich mich an den Dresscode halten?

»Ein befreundetes Ehepaar, das mein Mann seit Schulzeiten kennt, feiert diesen Sommer silberne Hochzeit in großem Kreis auf dem eigenen Grundstück. Wir waren vor 25 Jahren bei der sehr schönen Hochzeit dabei und möchten grundsätzlich gerne an dem diesjährigen Jubiläum teilnehmen. Allerdings ist als Dresscode Weiß vorgegeben. Wir besitzen beide weiße Oberteile, aber weder weiße Hosen noch Kleider, geschweige denn weiße Schuhe. Der Grund: Flecken sind darauf so schwierig zu entfernen. Selbst wenn wir uns für diesen Anlass ein weißes oder helles ›Unterteil‹ kaufen würden, dann würden wir dieses danach nicht wieder verwenden. Wir überlegen nun, ob wir unsere Teilnahme aus diesem Grund absagen, was ich aber sehr schade fände.« Anonym, per Mail
Dabei haben Sie ja noch Glück. Stellen Sie sich vor, das Paar hätte auf Dresscode Silber bestanden, was ja für den Anlass viel logischer wäre, dann würden wir jetzt über die Vor- und Nachteile von Alufolie debattieren. Um die Sache abzukürzen, hier direkt der finale Rat: Auf gar keinen Fall sagen Sie wegen dieses blöden Dresscodes die Teilnahme ab! Meiner eigenen unmaßgeblichen Erfahrung nach macht man sich wegen Dresscodes viel zu viele Gedanken. Und dann erscheint man perfekt gekleidet, was einen Stunden, Tage seines Lebens gekostet hat, um vor Ort festzustellen, dass man mehr oder weniger der Einzige war, der das Motto wirklich ernst genommen hat. (Und die anderen, die sich nicht so verkleidet fühlen, haben viel bessere Laune.)
Meistens entscheiden sich Gastgeber aus zwei Gründen für einen Dresscode: 1.) Sie selbst besitzen das passende Outfit und finden, es steht ihnen gut. 2.) Sie wollen glamouröse Fotos von der Party haben. Vielleicht noch 2a.) Sie wollen, dass ihre Party etwas Besonderes wird. Wenn Sie und Ihr Mann in weißen Oberteilen kommen, ist das vollkommen ausreichend für die Situation. Mehr kann niemand von Ihnen verlangen. Auf Gruppenfotos halten Sie sich einfach weiter hinten. Fertig. Auf die Frage, ob man lieber viele fröhliche Gäste auf seiner Party hätte oder nur ein paar wenige, die dafür perfekt den Dresscode erfüllen, würden sich die Gastgeber doch bestimmt für die erste Variante entscheiden (wenn nicht, anderer Ratschlag: Sagen Sie ab!).
Jedenfalls klingt das doch nach einem netten Sommerabend. Und falls Sie bis zur Party doch noch an einem Secondhandladen vorbeikommen, sei es analog oder im Internet, wäre es jetzt auch keine riesige Katastrophe, wenn Sie sich wider Erwarten was Weißes für diese eine Gelegenheit zulegen. Das wäre dann sozusagen Ihr Gastgeschenk.
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