Brunello Cucinelli im VOGUE-Interview: Warum Schönheit auch Verantwortung bedeutet

Brunello Cucinelli spricht mit VOGUE über Moral, Luxus, Leidenschaft und die Kunst, ein gutes Leben zu führen.
Es gibt Gespräche, die nachwirken. Minuten, Stunden, vielleicht sogar Tage. Die wenigsten aber vergisst man nie. Ein Interview mit Brunello Cucinelli gehört zur letzten Kategorie: Konversationen, die einen beschäftigen, weiterdenken lassen. Dabei sind es nicht nur die Professionalität, Offenheit und Freundlichkeit – wie herzlich kann ein Mensch eigentlich lächeln? –, mit denen er seinen Gesprächspartner:innen begegnet. Es ist der Inhalt der Interviews mit ihm, der jene so besonders macht. Redet man über Alltägliches, wird die Konversation plötzlich philosophisch.
Knüpft man an seine Lebensphilosophie an, endet man bei seinen Hobbys. Das passiert so übrigens auch ziemlich simultan im Dokumentarfilm "Brunello", der vergangenen Dezember Premiere feierte und im Laufe dieses Jahres in die Kinos kommt. Wir haben den Anlass genutzt, um mit dem Jahrhundertdesigner zu sprechen. Über die Kunst, im Kapitalismus anständig zu bleiben, den Schlüssel zu einer gesunden Seele – und seine intensive Verbindung zu Deutschland.
Brunello Cucinelli im VOGUE-Interview
Courtesy of Brunello Cucinelli
VOGUE: Ich kann mir vorstellen, dass Sie bestimmt die leidenschaftlichste Person in einer Vorstandssitzung Ihres Unternehmens sind. Wie schaffen Sie es, Menschen so zu motivieren, dass sie Ihr Maß an Leidenschaft erreichen?
Brunello Cucinelli: Ich hatte nicht viele Mentor:innen, aber ich denke immer wieder an Kaiser Hadrian, der sagte: "Ich fühle mich für die Schönheit der Welt verantwortlich." Dieser Turm, in dem ich gerade sitze stammt aus dem Jahr 1391. Und wer bin ich? Nur ein vorübergehender Hüter dieses Ortes. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie viele Menschen innerhalb dieser Mauern gelebt und geliebt haben. Wir sind nur vorübergehend. Hüter zu sein, bedeutet, dass man das, was einen umgibt, für diejenigen, die nach einem kommen, bewahren und pflegen muss.
Ihr Ansatz ist beinahe philosophisch.
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