Innovative Arzneiformen: Trends in der galenischen Entwicklung

Professor Dr. Stephan Reichl berichtete über Weiterentwicklungen und aktuelle Trends in der Galenik. / © PZ/Alois Müller
Neue Entwicklungen gibt es laut Reichl zudem bei okulären Implantaten. Er stellte Beispiele vor, die in den USA zugelassen sind. Dazu gehört ein intrakamerales Implantat mit Travoprost (iDose TR®), das die Glaukomtherapie vereinfachen soll. Nach dem mikroinvasiven Einsetzen verbleibt das kleine Implantat (1,8 × 0,5 mm) drei Jahre im Auge und wird dann ersetzt.
Ein Austausch ist nicht erforderlich, wenn das intraokulare Implantat wiederbefüllbar ist, wie es bei Susvimo™ (Ranibizumab) der Fall ist. Das Implantat könnte bald auch hierzulande verfügbar sein, so Reichl, denn die EU-Zulassung ist beantragt. Nach chirurgischer Implantation wird das Port-Delivery-System alle sechs Monate wiederbefüllt – eine Erleichterung für Patienten, da alternativ einmal im Monat die intravitreale Injektion ansteht.
Spannend sei nicht zuletzt ein etwa reiskorngroßes, intraokulares Implantat, aus dem der ziliäre neurotrophe Faktor (CNTF) freigesetzt wird, so Reichl. Revakinagene Taroretcel-lwey (Encelto™), eine Gentherapie, wird bei der seltenen Erkrankung Makula-Teleangiektasie Typ 2 eingesetzt. Die Entwickler standen vor Herausforderungen, denn CNTF kann die Blut-Retina-Schranke nicht passieren und hat eine kurze Halbwertszeit, was die intravitreale Injektion ausschließt. Die Lösung: »In diesem Implantat sind retinale Pigmentepithelzellen enthalten – gentechnisch verändert, die kontinuierlich diesen Faktor produzieren«, erklärte Reichl. Die Membran zu entwickeln, war ebenfalls komplex: Sie muss für CNTF durchlässig sein, darf jedoch keine anderen Proteine adsorbieren. Die Zellen müssen zudem im Implantat verbleiben und Nährstoffe und Sauerstoff erhalten, Immunzellen dürfen nicht hineingelangen. Das funktioniere über eine Hohlfasermembran und eine dreidimensionale Fasergarnstruktur, an der die Zellen adhärieren, so Reichl. Die Anwendung ist aktuell auf 24 Monate begrenzt, prinzipiell sei die Idee aber, das Implantat lebenslang zu behalten.
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