Hitze ist Herzstress! 10 Warnzeichen sollten Sie kennen
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Hitze belastet Herz und Kreislauf. Eine Kardiologin erklärt, wer besonders gefährdet ist und welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten.
Ein heißer Tag ist nicht nur unangenehm. Für Herz und Kreislauf kann er zur Belastungsprobe werden. Der Körper versucht, seine Temperatur stabil zu halten. Dafür weiten sich die Blutgefäße in der Haut, der Puls steigt, wir schwitzen und verlieren Flüssigkeit sowie Salze. Bei gesunden Menschen klappt diese Anpassung meist gut. Bei Menschen mit Herzerkrankungen wie Herzschwäche kann Hitze kritisch werden.
Der Klimawandel verschärft das Problem. Hitzewellen nehmen zu, dauern länger und fallen intensiver aus. Für die Medizin heißt das: Hitzeschutz ist kein Randthema mehr, sondern gehört zur Vorsorge, besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Privatdozentin Dr. Katharina Lechner ist Kardiologin und Expertin für Prävention und gesundes Altern. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Der Körper hat zwar ein eigenes Kühlsystem, aber dieses System kostet Kraft. Wird es heiß, fließt mehr Blut in die Haut, damit Wärme abgegeben werden kann. Gleichzeitig steht dem Körperinneren kurzfristig weniger Blut zur Verfügung. Das Herz muss schneller und kräftiger pumpen, um Gehirn, Nieren und Muskeln weiter zu versorgen. Durch Schwitzen sinkt zusätzlich das Blutvolumen. Das Blut wird konzentrierter, der Kreislauf instabiler, die Nieren werden schlechter durchblutet. Für ein vorgeschädigtes Herz ist das Schwerarbeit.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit ab, Hitze wahrzunehmen, Durst zu spüren und den Kreislauf rasch anzupassen. Häufig kommen mehrere Erkrankungen und Medikamente hinzu. Wer allein lebt, pflegebedürftig oder wenig mobil ist, kann einer überhitzten Wohnung oft nicht ausweichen.
Ein erhöhtes Risiko haben beispielsweise Menschen mit:
- Herzschwäche
- Koronarer Herzkrankheit
- Bluthochdruck
- Diabetes
Wer Insulin spritzt, sollte an heißen Tagen häufiger den Blutzucker kontrollieren und besonders aufmerksam auf Unterzuckerungen achten. Durch stärkere Hautdurchblutung kann Insulin schneller wirken, Unterzuckerungen sind dann leichter möglich.
Herz-Kreislauf-Medikamente sind oft lebenswichtig und dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Trotzdem brauchen manche Wirkstoffe bei Hitze besondere Aufmerksamkeit. Entwässerungstabletten können Flüssigkeits- und Salzverluste verstärken. Blutdrucksenker können stärker wirken, weil die Gefäße bei Hitze erweitert sind. Betablocker können die Anpassung des Körpers auf Hitze verändern. Einige Medikamente werden über die Niere ausgeschieden. Wenn durch Flüssigkeitsmangel die Nierenfunktion sinkt, können Wirkstoffe stärker im Körper bleiben. Insulin kann bei Hitze schneller wirken, weil die Haut stärker durchblutet wird.
Die kluge Lösung ist ein persönlicher Hitzeplan. Wer regelmäßig Herz-Kreislauf-Medikamente einnimmt, sollte vor dem Sommer ärztlich klären: Wie viel soll ich trinken? Wann soll ich Blutdruck, Puls oder Gewicht messen? Bei welchen Werten muss ich mich melden? Was gilt bei Schwindel, Luftnot oder sehr niedrigem Blutdruck?
- neu auftretende oder zunehmende Luftnot
- Brustenge
- Herzrasen
- starker Schwindel
- Verwirrtheit
- Ohnmacht
- ausgeprägte Schwäche
- Benommenheit
- sehr wenig Urin
- trockene, heiße Haut
Bei Brustschmerz, schwerer Atemnot, Ohnmacht, Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsstörungen gilt: Sofort den Notruf 112 wählen!
Der beste Schutz beginnt vor der Hitzewelle. Wettervorhersagen und Hitzewarnungen sollten ernst genommen werden. Einkäufe, Wege und Arzttermine gehören in den frühen Morgen oder in den Abend. Die Wohnung sollte tagsüber verschattet und nachts oder frühmorgens gelüftet werden. Kühlere Räume, lauwarme Duschen, Fußbäder oder feuchte Tücher an Nacken und Unterarmen können entlasten.
Körperliche Anstrengung gehört nicht in die heißesten Stunden. Sport, Gartenarbeit und schwere Einkäufe sollten verschoben werden. Alkohol ist bei Hitze ungünstig, weil er die Gefäße erweitert und Flüssigkeitsverlust fördern kann.
Trinken ist wichtig, aber nicht für alle gleich. Gesunde Menschen können an heißen Tagen meist mehr trinken. Bei Herzschwäche oder schwerer Nierenerkrankung kann zu viel Flüssigkeit ebenfalls schaden. Deshalb braucht es eine individuelle Empfehlung und die Zusammenarbeit mit einem Arzt.
Angehörige, Nachbarn und Pflegepersonen sollten gefährdete Menschen an heißen Tagen aktiv kontaktieren. Ein kurzer Anruf kann reichen: Ist die Wohnung kühl? Wurde genug getrunken? Gibt es Schwindel, Luftnot oder Brustenge? Sind Medikamente erreichbar?
Hitze trifft nicht alle gleich. Für junge gesunde Menschen ist sie oft nur lästig. Für ältere Menschen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann sie gefährlich werden. Der Klimawandel macht diese Belastung wahrscheinlicher. Deshalb gilt: Für Menschen mit Risikofaktoren ist Hitzeschutz wichtig.
FOCUS

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