Erziehung: Katharina lebt in Schweden - Rabenmütter gibt's hier nicht
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Kostenlose Schulessen, flexible Elternzeit und Väter auf dem Spielplatz: Eine Deutsche erzählt, warum der Familienalltag in Schweden so viel leichter ist.
Schweden gilt für viele als Familienparadies: kostenlose Schulessen, lange Elternzeit und Väter, die selbstverständlich ihre Kinder aus der Kita abholen. Das Bild vom entspannten Familienleben im skandinavischen Bullerbü hält sich hartnäckig. Doch wie lebt es sich dort wirklich mit Kindern?
Auf ihrem Instagram-Kanal „Schweden mit Kinder“ berichtet Katharina über ihren Alltag mit drei Kindern in Schweden.
Besonders deutlich zeige sich die Entlastung bei der Elternzeit. Eltern bekommen in Schweden gemeinsam insgesamt 485 bezahlte Elterntage pro Kind. Zusätzlich erhält der Vater nach der Geburt zehn weitere bezahlte Tage.
Mindestens 90 Tage muss jeder Elternteil selbst übernehmen. Die restliche Zeit können Eltern flexibel aufteilen – teilweise sogar mit Großeltern. Viele Familien sparen sich einzelne Tage bewusst auf, um später längere Sommerferien mit älteren Kindern zu verbringen.
Für Katharina verändert dieses Modell die Dynamik vieler Beziehungen. Beide Elternteile lernen früh, Verantwortung für Alltag, Haushalt und Kinderbetreuung zu übernehmen. Dadurch werde die Care-Arbeit oft partnerschaftlicher verteilt.
Während Eltern in Deutschland oft lange auf einen Kita-Platz warten, ist Betreuung in Schweden garantiert. Viele Einrichtungen haben von früh morgens bis zum späten Nachmittag geöffnet. Für Eltern im Schichtdienst gibt es teilweise sogar Nacht- und Wochenendbetreuung.
Auch spontane Personalausfälle würden deutlich besser aufgefangen als in Deutschland: „Viele Kitas arbeiten mit festen Vertretungspools, sodass die Betreuung verlässlich bleibt.”
Hinzu komme: Eltern haben gesetzlich Anspruch auf Teilzeit, meist bis zum achten Geburtstag des Kindes. Dass Eltern früher Feierabend machen, um Kinder abzuholen, sei gesellschaftlich akzeptiert. „Familie läuft hier nicht nebenher“, beschreibt Katharina ihren Eindruck vom schwedischen Alltag.
Allerdings verbringen viele Kinder dadurch schon früh lange Tage in der Betreuung. Für Katharina anfangs gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig seien die hohen Lebenshaltungskosten ein Grund dafür, dass in Schweden meist beide Eltern arbeiten müssen.
Auch beim Thema Gleichberechtigung erlebt Katharina Unterschiede zu Deutschland. Der Begriff „Rabenmutter“ sei in Schweden praktisch unbekannt. Dass Mütter arbeiten und Väter Elternzeit nehmen, gelte als selbstverständlich.
Stattdessen gebe es den Begriff „Latte-Papa”: Väter, die sich mit Kinderwagen und Freunden auf einen Kaffee treffen. Väter bleiben zu Hause, wenn Kinder krank sind, gehen auf den Spielplatz oder besuchen Krabbelgruppen – ohne dafür besonders gelobt zu werden.
Nach Katharinas Eindruck verändert das auch Beziehungen. Care-Arbeit und Mental Load würden deutlich häufiger auf beide Partner verteilt. Klassische Rollenbilder spielten im Alltag eine kleinere Rolle.
Auch das Schulsystem empfindet die dreifache Mutter als familienfreundlicher. Schulmaterialien wie Bücher, Hefte oder Stifte werden kostenlos gestellt. Einen klassischen Schulranzen brauchen Kinder meist nicht – ein normaler Rucksack reicht aus.
Besonders groß sei die Entlastung beim Essen. Sowohl im Kindergarten als auch in der Schule bekommen Kinder täglich warme Mahlzeiten kostenlos. Dadurch müssten Eltern weder Brotboxen vorbereiten noch zusätzliche Kosten tragen.
Noten erhalten Kinder erst ab der siebten Klasse. Davor stehen Gespräche zwischen Lehrern, Eltern und Kindern im Mittelpunkt. Auch Hausaufgaben seien in den ersten Schuljahren vergleichsweise selten.
Für Katharina hat das Leben in Schweden den Blick auf Elternschaft verändert. Vor allem der gesellschaftliche Druck sei geringer. Niemand müsse sich ständig rechtfertigen, weil Familie und Beruf anders organisiert werden als bei anderen.
Auch Klassenchats und ständiges Vergleichen zwischen Eltern empfindet sie als weniger präsent. Dahinter steckt in Schweden häufig das sogenannte „Jantelagen“ – die Vorstellung, dass sich niemand über andere stellen sollte.
Jantelag ist zwar kein richtiges Gesetz, wird aber von Schweden auch „Gesetz des Jante” genannt. Der Begriff geht zurück auf den dänisch-norwegischen Autor Aksel Sandemose. Jante ist in seinem Roman von 1933 ein fiktiver Ort in Dänemark. In dem Werk beschreibt der Autor elf Glaubenssätze, die vielen noch heute als gesellschaftliche Verhaltensrichtlinie gelten. Darunter: Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist. Du sollst nicht über uns lachen.
Ganz perfekt sei das Leben in Schweden trotzdem nicht, betont Katharina. Die hohen Lebenshaltungskosten seien belastend und nicht jedes Modell passe zu jeder Familie. Dennoch überwiegen für sie die Vorteile deutlich.
Aus Katharinas Sicht liegt der größte Unterschied nicht nur in einzelnen Leistungen, sondern im Zusammenspiel des Systems. Kinderbetreuung, Schule und Arbeitswelt seien stärker auf Familien abgestimmt.
Wenn Betreuung zuverlässig funktioniert, Elternzeit selbstverständlich geteilt wird und Familie gesellschaftlich mitgedacht wird, entsteht laut Katharina weniger Druck im Alltag. Genau das mache das Familienleben in Schweden für viele Eltern entspannter – auch wenn nicht alles perfekt sei.
FOCUS
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