Börse: Rheinmetall stürzt massiv. Dax baut Verluste nach Ausverkauf aus

Auf und Ab an der Börse: Die wichtigsten Informationen zum Dax, Dow Jones, zu den Aktienkursen und den Ölpreisen
Foto: Westend61 / Getty ImagesNach dem Vortagsrückschlag meiden die Anleger am Mittwoch bei deutschen Aktien weiter das Risiko. Neu belastet von den absackenden Rheinmetall-Aktien entfernte sich der Dax weiter von der zuletzt umkämpften 25.000-Punkte-Marke. Mit einem Abschlag von 0,8 Prozent auf 24.693 Punkte rutschte der deutsche Leitindex unter seine 21-Tage-Linie. Der MDax gab auch um 0,8 Prozent auf 31.889 Punkte nach.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Korrektur, die am Vortag im Technologiesektor eingesetzt hatte, warten die Anleger auf die nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen des US-Chipkonzerns Micron. Am Vortag waren sie nervös geworden angesichts der enorm hohen Erwartungen, die als eingepreist gelten. Die Commerzbank sprach von wieder aufgekommenen „Zweifeln an der Nachhaltigkeit der KI-getriebenen Aktienrallye“. Die US-Technologiebörse Nasdaq war massiv eingebrochen, der Standardwerteindex Dow Jones hatte dagegen nur geringfügig nachgegeben.
Die Rheinmetall-Aktien brachen um bis zu 16 Prozent ein, weil ein Großauftrag der Bundeswehr für neue Fregatten laut Medienberichten zugunsten des Schiffsbauers TKMS umgeleitet wird. Analyst David Perry von JPMorgan sieht darin einen größeren Rückschlag für den Rüstungskonzern, dessen Titel in den vergangenen Jahren ein gewisses Gewicht im Dax aufgebaut haben. Nach mehr als einem Jahr wurden sie wieder unter 1000 Euro gehandelt. Vom Rekordhoch im vergangenen Oktober hat sich der Kurs jetzt halbiert.
Perry bezifferte den eigentlich für Rheinmetall vorgesehenen Auftragswert für Fregatten des Typs F126 auf 12 Milliarden Euro. Er befürchtet, dass das diesjährige Ziel für die Auftragseingänge verfehlt werden könnte. Die Nachrichten setzten auch die deutschen Rüstungswerte Hensoldt und Renk unter Druck. Die TKMS-Titel dagegen zogen im MDax mächtig um 10 Prozent an. Der "Spiegel“ berichtete, stattdessen wolle Verteidigungsminister Boris Pistorius kleinere Fregatten des Typs MEKO-A-200 von dem Schiffbauer beschaffen. Rheinmetall wollte sich dazu nicht äußern.
Die DHL-Aktionäre verdrängten die Enttäuschung, die erste Reaktionen auf die Zahlen des US-Konkurrenten Fedex ausdrücken. Rückläufige Margen im Zustellgeschäft belasteten außerbörslich zwar deutlich die Titel der Amerikaner, doch die DHL-Aktien zeigten sich mit einem Anstieg um 0,7 Prozent davon unbeeindruckt.
Unter den Dax-Gewinnern zeigten sich die Infineon-Aktien mit einem Prozent Plus vor den Micron-Zahlen stabilisiert. Zum Spitzenreiter im Leitindex wurden die Papiere von MTU, die ihre Erholungsrallye um fast 3 Prozent ausbauten. Für den Triebwerksbauer sieht der JPMorgan-Analyst Perry die Aussichten an vielen Fronten verbessert, unter anderem wegen der nachlassenden Treibstoffkosten in der Flugbranche.
Im MDax erholten sich die Puma-Aktien um 2,8 Prozent von ihrem Vortags-Kursrutsch, der mit Aussagen im Rahmen eines Analysten-Briefings zum nächsten Quartalsbericht begründet wurde. Die US-Bank Goldman Sachs hielt am Mittwoch an ihrer Kaufempfehlung fest. Analyst Richard Edwards rechnet im zweiten Halbjahr mit einer stärkeren Umsatzdynamik als im ersten.
Kräftige Kursabschläge bei asiatischen Technologiewerten hatten am Dienstag auch die US-Tech-Börse Nasdaq tief in die Verlustzone gezogen. Beobachter verwiesen auf Gewinnmitnahmen bei den im Zuge des Hypes um künstliche Intelligenz (KI) stark gelaufenen Technologietiteln und sprachen dementsprechend von einem Weckruf im Hinblick auf KI.
Für den Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 3,3 Prozent auf 29.347 Punkte nach unten. Dies entspricht dem Niveau vom 12. Juni. Der marktbreite S&P 500 büßte 1,44 Prozent auf 7365 Punkte ein. Der Dow Jones hingegen gab nur geringfügig auf 51.666 Punkte nach. In dem Leitindex spielen Technologie-Unternehmen keine so dominante Rolle wie in den Nasdaq-Indizes.
Die Blicke der Anleger richteten sich derweil bereits auf den Mittwoch. Dann will der Halbleiterhersteller Micron nach Börsenschluss seinen Quartalsbericht vorlegen. Microns Aktienkurs hatte sich seit Jahresbeginn in der Spitze mehr als vervierfacht. Jetzt büßten die Papiere gut 13 Prozent ein.
Die Quartalszahlen seien der eigentliche Test, ob der rasante Aufschwung im Bereich künstliche Intelligenz noch Potenzial habe, sagte Stratege Dilin Wu von der Pepperstone Group. Unter den weiteren Halbleitertiteln sackten Intel, Applied Materials und Marvell um bis zu 9,4 Prozent ab.
Beim anfänglichen Börsen-Überflieger SpaceX stabilisierte sich der Kurs nach den jüngsten Gewinnmitnahmen. Die Aktien des Raumfahrt- und KI-Konzerns von Tesla-Chef Elon Musk gewannen ein Prozent. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen berichtete, ist die Nachfrage nach Anleihen des Unternehmens sehr hoch.
Die Ölpreise haben am Mittwoch ihre Talfahrt der vergangenen Handelstage fortgesetzt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent zur Lieferung im August rutschte im frühen Handel zeitweise unter 76 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang März. Zuletzt stand die Notierung bei 76,75 Dollar und damit etwa ein halbes Prozent tiefer als am Vortag. Am vergangenen Freitag war der Preis für Nordseeöl noch über 80 Dollar gehandelt worden.
Mittlerweile wird Rohöl der Sorte Brent nur noch knapp über dem Niveau gehandelt, das vor dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar herrschte. Zuletzt hatten Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise belastet. Zudem passieren immer mehr Handelsschiffe die Straße von Hormus und ermöglichen so den Transport von Rohöl aus den Fördergebieten am Persischen Golf.
Die internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat mitgeteilt, dass sie Sicherheitsgarantien erhalten habe, die es Hunderten Schiffen ermöglichen, den Persischen Golf zu verlassen. Die Straße von Hormus ist eine für die Weltwirtschaft bedeutende Route für die Lieferung von Rohöl. Die Blockade der Meerenge infolge des Iran-Kriegs hatte den Ölpreis im März zeitweise über 120 Dollar je Barrel getrieben.
Rohstoffexperten vom US-Handelshaus Enverus rechnen in den kommenden Tagen nicht mehr mit einem weiteren deutlichen Rückgang der Ölpreise. Sie erwarten vielmehr eine Bodenbildung bei der Notierung für Öl der Sorte Brent im Bereich von 75 Dollar.
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