Nach Jahren des Scheiterns: DFB-Elf beweist, dass sie wieder Turniere kann

Der Jubel kannte keine Grenzen. In Toronto auf dem Platz, auf der deutschen Bank, wenig später in den Wohnzimmern und auf den Balkonen in Deutschland. Auch bei den Public Viewings war zu spüren: Diese Mannschaft hat wieder etwas ausgelöst, was in den vergangenen Jahren bei den Turnieren in Russland und Katar verloren gegangen war. Die Euphorie für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Dabei war der zweite WM-Sieg gegen die Elfenbeinküste kein zweites Fußballfest wie das 7:1 gegen Curaçao. Diesmal war es kein Spiel, in dem jeder Angriff gefährlich und nahezu jeder Abschluss ein Treffer zur Folge hatte. Diesmal war es ein Arbeitssieg. Und genau deshalb könnte dieses 2:1 sogar ein noch wichtigeres Signal sein.
Resilienz als wichtiger Faktor für deutschen SiegDenn ein WM-Turnier gewinnt man nicht nur mit spielerischer Klasse. Man braucht auch die Fähigkeit, Spiele zu überstehen, in denen nicht alles funktioniert. Nach dem Rückstand gegen die Elfenbeinküste zeigte die Mannschaft genau diese Eigenschaft: Resilienz.
Nach dem 0:1 hätte das Spiel kippen können, gerade zu Beginn der zweiten Hälfte war etwas Glück dabei, als die Elfenbeinküste aus der eigenen Druckphase heraus nicht das 2:0 nachlegen konnte. Stattdessen blieb Deutschland ruhig, erhöhte den Druck und fand die späte doppelte Antwort. Nicht durch einen genialen Einzelmoment eines Superstars, sondern durch die Qualität, die von der Bank kam. Der eingewechselte Nadiem Amiri schlug die entscheidende Flanke, der ebenfalls eingewechselte Deniz Undav vollendete zum Ausgleich. Zwei Spieler, die von außen kamen, veränderten das Spiel.
Auch das ist ein Unterschied zu früheren Turnieren: Der Kader wirkt nicht nur auf dem Papier tief besetzt, sondern kann diese Qualität tatsächlich auf den Platz bringen. Natürlich darf man den Sieg nicht überhöhen. Gegen Curaçao schien vor wenigen Tagen beinahe jeder Schuss den Weg ins Tor zu finden. Gegen die Elfenbeinküste war das anders. Chancen wurden liegen gelassen, der Gegner hielt lange dagegen. Aber genau dieser Gegner war auch nicht zufällig so unangenehm.
Die Elfenbeinküste hatte die gesamte WM-Qualifikation ohne Gegentor überstanden und war auch beim 1:0-Auftaktsieg gegen Ecuador defensiv stabil geblieben. Deutschland musste sich diesen Erfolg also erarbeiten und geduldig bleiben. Diese Mannschaft kann mittlerweile wieder die Spiele gewinnen, in denen sie nicht glänzt. Eine Eigenschaft, mit der man in so einem Turnier sehr weit kommen kann.
Zwei Siege zum WM-Start gab es zuletzt 2006 beim Sommermärchen im eigenen Land. Selbst beim Titelgewinn 2014 gelang dieser perfekte Auftakt nicht. Dazu kommt der elfte Sieg in Folge für die Nationalmannschaft – eine Serie, die zeigt, dass sich die Entwicklung nicht nur in einzelnen guten Spielen widerspiegelt.
Endlich mal wieder die K.o.-Runde erreichtFür das Wohl der geschundenen deutschen Fußballseele aber ist eine Sache fast noch wichtiger: Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar hat Deutschland endlich mal wieder eine K.o.-Runde erreicht. Noch ist damit zwar nichts gewonnen, aber der Blick auf die sechs Punkte und die Leistungen der ersten beiden Spiele zeigt: Deutschland gehört wieder zu den Mannschaften, die bei dieser WM etwas erreichen können.
Der Glanz gegen Curaçao war ein Versprechen. Der Kampf gegen die Elfenbeinküste war der Beweis, dass diese Mannschaft auch dann noch Lösungen findet, wenn es kompliziert wird. Und genau diese Mischung braucht es bei einem Turnier. Denn das gewinnt am Ende nicht die Mannschaft, die immer schön spielt, sondern die, die auch in schwierigen Spielen den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hat diese Qualitäten in beiden Spielen gezeigt.
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