Willkommen zurück liebe Ballonhose: Berlin-Mitte trägt es jetzt voluminös

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde durch amerikanische Frauenrechtlerinnen eine Kleidung bekannt, die für damalige Verhältnisse als Provokation galt: lockere Hosen, am Knöchel zusammengefasst, getragen unter kniekurzen Röcken, dazu ein Oberteil ohne Korsett. „Bloomers“ wurden diese Hosen später genannt, nach der Journalistin Amelia Bloomer, die sie in ihrer Frauenzeitschrift The Lily an die Leute brachte.
Zur Empörung der Männerwelt trugen die Frauen sie nicht aus modischen Versprechen, sondern um Luft und Bewegung in ihren Alltag zu bringen. Auch bekannt als „Haremshose“, erlebte der voluminöse Stil Ende des 20. Jahrhunderts ein Rebranding und feierte nun auf den Laufstegen der Frühjahreskollektionen 2026 sein Comeback. Aber warum?
Wir brauchen alle eine Hose, die alltagstauglich und bequem ist. Eine Hose, die nicht zwickt und der Figur auch nach einem etwas zu üppigen Mittagessen verzeiht. Gerade an Tagen, an denen die Temperaturen über 20 Grad klettern, ist die Ballonhose die perfekte Alternative zur schwitzig-klebenden, steif am Körper sitzenden Jeans.
Rotate setzt bei der Ballonhose auf Polka Dots – und zeigt, dass der Schnitt auch verspielt funktionieren kann.
© Rotate
Und ob im Schaufenster bei COS und Arket, auf den Laufstegen von Louis Vuitton und Bottega Veneta oder bei den großen Fast-Fashion-Brands: Jeder scheint auf den Trend aufzuspringen. In der Jeans-Version heißt sie Barrel-Jeans oder Horseshoe-Jeans, aus Baumwolle, Leinen oder Gabardine wird sie zur Balloonhose. Dabei bleibt sie ihrem unverkennbaren Schnitt treu, indem sie oben locker, am Bein bauchig und zum Knöchel hin wieder schmal sitzt.
Und ja, der Hose eilt ein schlechter Ruf voraus. Und ganz unschuldig ist sie daran nicht – doch mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte sieht der Look 2026 Berlin-Mitte-tauglicher aus. Er ist weniger Pumphose der 80er, weniger MC-Hammer aus den 90ern oder drei Tage Goa-Festival. Die Vogue Arabia beschreibt die Trendhose als „dezent luxuriösen Basic“. Trotzdem gibt es einige Regeln, damit das Outfit nicht in eben genannte Richtungen kippt.
Styling-Regeln: Was bei der Ballonhose zu beachten istErstens: Oben Ruhe bewahren. Die Ballonhose ist schon laut genug, auch wenn sie aus schwarzen Leinen besteht. Ein schlichtes Tanktop, enges T-Shirt, schmaler Cardigan oder kurzer Blazer reicht vollkommen aus und sorgt dafür, dass das Gesamtbild schick bleibt.
Zweitens: Der Stoff muss Stand haben. Eine gute Ballonhose fällt nicht einfach in sich zusammen. Sie braucht einen festen Stoff, ist dieser zu weich, sieht die Hose aus wie ein schlabberiger Schlafanzug.
Drittens: Bitte keine Goa-Vollausstattung. Die Ballonhose hat ohnehin eine entfernte Verwandtschaft zur Pumphose. Deshalb lieber auf Batik, Fransen, Fußkettchen oder Ethno-Tasche verzichten.
Die australische Schauspielerin Claire Holt trägt auf der Altuzarra Fashion Show in New York im Februar 2026 eine Ballonhose in Beige.
© imago
Viertens: Aufs Schuhwerk kommt es an. Loafer, Ballerina, schmale Sneaker oder schlichte Sandalen sehen toll zur Ballonhose aus. Hohe Schuhe gehen natürlich auch – Kitten-Heels oder feminine Stiefeletten strecken das Bein.
Vom Tragekomfort einmal abgesehen, macht es total Sinn, dass die Ballonhose wieder da ist. Nach der Skinny kam die Mom-Jeans, Straight-Jeans, Wide-Leg, Cargo, bis schließlich in den letzten Jahren überall Baggy-Jeans zu finden waren. Mit jeder Saison wurde das Bein ein bisschen weiter. Während viele GenZler aktuell wieder zur Skinny Jeans zurückrudern ist die Ballonhose das andere Extrem. Aber bitte: das Aufgeblasensein auf die Hosen beschränken.
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