Der Trainer meines Lebens


Bei der WM stehen sie an der Seitenlinie, aber auch jenseits des Leistungssports sind Trainerinnen und Trainer oft prägende Figuren, deren guter Einfluss noch Jahrzehnte später spürbar ist. Die SZ-Magazin-Redaktion möchte ein paar von ihnen Danke sagen.
Willi hätte sich selbst wohl nicht als Feminist bezeichnet. Trotzdem würde ich sagen, er war einer. Ich kickte sieben Jahre leidenschaftlich im Fußballverein meines Heimatdorfes. Und meistens spielte es überhaupt keine Rolle, dass ich das einzige Mädchen im Team oder gar der ganzen Liga war. Aber es war zugleich ein Umfeld, in dem jedes zweite Schimpfwort auf dem Platz auf Schwule oder Frauen abzielte. Willi war in der C- und B-Jugend mein Fußballtrainer, ich war also zwischen 13 und 16. Ein Mann Mitte 50 mit Vollzeitjob und eigenem Leben, der zwei Feierabende und einen Wochenendtag ehrenamtlich auf dem Platz stand. Den Großteil der Zeit war ich für ihn einfach die rechte Mittelfeldspielerin, die er genauso bestärkte oder rügte wie alle anderen auch. Es waren die beiläufigen Kommentare, die mich prägten – ein »Lass dir nichts gefallen!« von der Seitenlinie oder ein »Zieh aufs Tor, der Verteidiger unterschätzt, wie schnell du bist« in der Kabine. Im Grunde vermittelte er mir, dass ich locker mit den Jungs mithalten kann.
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