News: Brasilien, Marokko, Schweiz, NRG-Stadion

Tag drei der WM ist in den Büchern. Allmählich verschwimmen die Tage, Wochenenden verlieren ihre Bedeutung, Schlafrhythmen werden ausgehebelt und Aufputschdrogen gesellschaftsfähig. Der bislang gezeigte Fußball diente jedenfalls noch nicht dazu, das Nervensystem wirkungsvoll anzuregen. Das fußballerisch anspruchsvollste Spiel durften wir vergangene Nacht im MetLife Stadium von New Jersey zwischen Brasilien und Marokko sehen. Was in erster Linie an den Nordafrikanern lag. „Man bezeichnet uns auch als die afrikanischen Brasilianer“, hatte Achraf Hakimi vor dem Spiel gesagt. Und seine Mannschaft ließ schnell erahnen, was ihr Kapitän damit meinte. In den ersten 20 Minuten kombinierten sich die Marokkaner immer wieder fein durch die luschig verteidigenden Brasilianer, rohrten aus allen Lagen aufs Tor und gingen früh durch Ismael Saibari in Führung. Mit ihrem Spielstil, einer faszinierenden Fusion aus afrikanischer Wucht und europäischer Ordnung, ließen sie dem fünfmaligen Weltmeister anfangs kaum Zeit zum Durchpusten. So dominant hatte man ein afrikanisches Team noch nie gegen eine brasilianische Auswahl spielen sehen. Carlo Ancelottis ikonische Augenbraue war vorübergehend auf Höhe seines Hinterhauptbeins gewandert. Es hatte eine ironische Note, dass die Erfinder des schönen Spiels sich in dieses Turnier erst einmal hineinackern mussten. Einer brillanten Einzelaktion von Vinicius Jr. war es zu verdanken, dass es mit 1:1 in die Pause ging. Danach passte sich das Spielniveau wieder dem an, was wir in den vorherigen Partien schon gesehen hatten. Einen Titelfavoriten, so viel ist sicher, konnten wir in New Jersey nicht ausmachen. Und wenn doch, dann trug er kein Gelb.
11freunde



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