KI-Betrug bei Ferienwohnungen – darauf sollten Sie achten
%2CregionOfInterest%3D(1052%2C367)%26hash%3De7b0c9011722e40c0af731292f747cb98a14df1e23202f0f3ddb8d11360bd7e0&w=1280&q=100)
KI erzeugt täuschend echte Inserate für Ferienwohnungen und bringt Urlauber um ihr Geld. Mit einfachen Prüfungen lassen sich viele Betrugsfälle vermeiden.
Die Vorfreude ist groß, denn die Ferienwohnung auf den Fotos wirkt wie gemalt, mit Meerblick, heller Terrasse und einem Preis, der angenehm unter dem liegt, was vergleichbare Unterkünfte kosten. Sie überweisen die Anzahlung, packen die Koffer und reisen an, doch als Sie schließlich vor der angegebenen Adresse stehen, öffnet Ihnen niemand. Im schlimmsten Fall existiert die Wohnung gar nicht, oder sie gehört jemandem, der von Ihrer Buchung noch nie etwas gehört hat.
Was wie ein seltener Albtraum klingt, trifft jeden Sommer Tausende Urlauber, und weil immer mehr Menschen ihre Unterkünfte im Internet buchen, gehen die Betrüger dabei immer geschickter vor.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Im Kern beruht der Buchungsbetrug auf einer einfachen Täuschung, bei der Kriminelle ein Inserat erstellen, das echt aussieht, aber leer ist. Häufig kopieren sie die Fotos echter Wohnungen von anderen Plattformen oder lassen sich von künstlicher Intelligenz täuschend realistische Bilder erzeugen, sodass keine Suche im Internet mehr das Original findet.
In einer besonders perfiden Variante inserieren die Täter sogar eine tatsächlich existierende Wohnung, über die sie aber gar nicht verfügen dürfen, sodass Sie am Ende vor einer Tür stehen, hinter der ahnungslose Eigentümer oder andere Gäste wohnen. Sobald Sie Interesse zeigen, versuchen die Täter, das Gespräch von der Buchungsplattform wegzulenken, weil sie dort keine Spuren hinterlassen und das geschützte Bezahlsystem umgehen möchten. Anschließend bitten sie Sie, per Banküberweisung, über einen Bezahldienst für Privatpersonen oder sogar in Kryptowährung zu zahlen, und in genau diesem Moment ist Ihr Geld verloren, sobald Sie es abschicken.
Früher verrieten sich solche Inserate oft durch holpriges Deutsch oder durch offensichtlich zusammengesetzte Bilder, doch diese verlässlichen Warnzeichen verschwinden gerade. Künstliche Intelligenz schreibt heute fehlerfreie und freundliche Nachrichten und erzeugt Wohnungsfotos, die kaum noch jemand als Fälschung erkennt, während gefälschte Bewertungen den Eindruck erwecken, hier hätten bereits viele zufriedene Gäste übernachtet.
Hinzu kommt, dass die Täter gezielt Druck aufbauen, indem sie behaupten, es gebe nur noch diesen einen freien Termin und eine weitere Familie habe bereits angefragt, sodass Sie sich gedrängt fühlen, schnell und ohne weitere Prüfung zu bezahlen.
Misstrauisch werden sollten Sie wie so oft immer dann, wenn ein Preis deutlich unter dem Marktniveau liegt, denn ein echtes Schnäppchen ist im Hochsommer die große Ausnahme. Ein weiteres deutliches Warnsignal ist die Bitte, außerhalb der Plattform zu kommunizieren oder zu bezahlen, weil seriöse Anbieter das nicht nötig haben und Ihnen stattdessen die abgesicherten Wege der Plattform anbieten.
Stutzig machen sollten Sie auch jene Inserate, die zwar makellose Fotos zeigen, aber nur sehr wenige oder auffällig gleichförmige Bewertungen aufweisen, ebenso wie Adressen, die sich auf einer Landkarte nicht eindeutig zuordnen lassen oder die zu einem ganz anderen Gebäude führen.
Der wichtigste Grundsatz lautet, dass Sie stets innerhalb der Plattform bleiben und ausschließlich über deren offizielles Bezahlsystem zahlen sollten, weil Sie nur dann im Streitfall geschützt sind und Ihr Geld zurückfordern können. Bevor Sie buchen, lohnt es sich, die angegebene Adresse in einem Kartendienst nachzuschlagen und sich in der Straßenansicht anzusehen, ob das Gebäude überhaupt existiert und ob es zur Beschreibung passt.
Wenn Sie die Wohnungsfotos zusätzlich über eine Bildersuche prüfen und dabei feststellen, dass dieselben Bilder unter einem anderen Namen oder in einer anderen Stadt auftauchen, sollten Sie die Finger von dem Angebot lassen. Schließlich gilt, dass ein seriöser Vermieter Ihre Fragen geduldig beantwortet und Sie niemals zu einer überstürzten Zahlung drängt, während vorgeschobene Eile fast immer ein Werkzeug der Betrüger ist.
Wer diese wenigen Regeln beherzigt, nimmt den Kriminellen ihr wichtigstes Werkzeug, nämlich die Mischung aus Vorfreude und Zeitdruck, und kann der eigentlichen Urlaubsplanung wieder mit Gelassenheit begegnen.
Eine gesunde Portion Misstrauen kostet Sie nur wenige Minuten, kann Ihnen am Ende aber den Urlaub und mehrere hundert Euro ersparen.
FOCUS
%2CregionOfInterest%3D(944%2C912)%26hash%3De8cf6c35fe98efc7052211df1d0cf44f0d7a72c93d9134d0a1b626e3a5d390dd&w=1280&q=100)
