Krone-Schmalz über DDR-Prägung: „Russen sind keine Phantomgebilde“

Sie war jahrelang das bekannteste Russland-Gesicht im deutschen Fernsehen: Gabriele Krone-Schmalz, von 1987 bis 1991 ARD-Korrespondentin in Moskau. Am 11. September kommt die 76-Jährige für einen Vortrag nach Neubrandenburg.
Vorab hat sie dem Nordkurier ein Interview gegeben. Darin findet sie deutliche Sätze über Ost und West, über Russland und über den Zustand des Journalismus.
Unterschiede zwischen Ost und WestKrone-Schmalz spricht bundesweit über das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen. Unterschiede zwischen den Landesteilen nehme sie dabei klar wahr. „Es gibt tatsächlich Unterschiede, die mit den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten zu tun haben“, sagt sie.Menschen, die in der DDR sozialisiert wurden, hätten „in der Regel direkte Erfahrungen mit Russen“. Für sie seien Russen keine Projektionsfläche. „Das sind keine Phantomgebilde für sie, die man mit beängstigenden Eigenschaften ausstattet, weil man keinen von denen persönlich kennt“, so Krone-Schmalz.
Dazu komme der lange Kalte Krieg, in dem sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR ihre eigenen Feindbilder gepflegt hätten. „Und Feindbilder sind ganz schön langlebig“, sagt sie.
Deutliche Worte findet die Publizistin auch zum politischen Klima. Früher hätten sich Menschen bei ihr dafür bedankt, dass sie komplizierte Zusammenhänge verständlich mache. „Heute bedanken sich viele zusätzlich für meinen Mut“, sagt sie. Das irritiere sie. „Wenn der Eindruck entsteht, dass man in unserem politischen System Mut braucht, um breit aufgestellt journalistisch zu arbeiten, dann stimmt etwas nicht.“
Ihren eigenen Anspruch beschreibt Krone-Schmalz so: Sie verweigere sich „der üblich gewordenen Polarisierung“ und setze sich „für respektvollen Streit“ ein. Das sei „eine tragende Säule in demokratischen Systemen“.
Eine umstrittene StimmeMit ihren Vorträgen füllt Krone-Schmalz seit Jahren Säle. Zugleich ist sie eine der umstrittensten Figuren der deutschen Russland-Debatte. Kritiker, darunter Historiker und Osteuropa-Fachleute, werfen ihr vor, russische Erzählungen zu unkritisch zu übernehmen; in Teilen der Öffentlichkeit gilt sie als „Russlandversteherin“. Sie selbst weist das zurück und beruft sich auf Einordnung, Chronologie und Differenzierung.
Ob sie nach diesem Auftritt wiederkommt? „An mir soll’s nicht liegen“, sagt sie. Ihr Vortrag trägt den Titel „Russland und der Westen – eine schwierige Beziehung“. Beginn ist am 11. September um 20 Uhr im Haus der Kultur und Bildung (HKB). Tickets gibt es beim Ticket-Service auf dem Marktplatz und bei Eventim. Mehrere hundert sind bereits verkauft.
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