Kontrasttherapie für Frauen: Wie gesund sind Sauna und Eisbad wirklich?

Kontrasttherapie für Frauen: So gesund ist ein Eisbad nach der Sauna wirklich.
Zugegeben: Es gibt Komfortableres als den Gedanken an einen ständigen Wechsel zwischen eiskalter Tonne und heißer Sauna. Trotzdem wird genau dieses Prinzip – die sogenannte Kontrasttherapie – aktuell als einer der größten Trends der Longevity-Szene gefeiert. Der Wechsel zwischen extremer Hitze und Kälte soll Entzündungen hemmen, die Regeneration fördern, den Stoffwechsel ankurbeln und sogar den Alterungsprozess verlangsamen. Vor allem auf Social Media werden Eisbäder und Saunagänge im ständigen Wechsel aktuell als ultimative Gesundheitsroutine zelebriert. Doch wie sinnvoll sind die extremen Temperaturreize tatsächlich – und ist der Hype für Frauen wirklich gesund?
Ist Kontrasttherapie für Frauen gesund?
Um das zu beantworten, hat VOGUE mit Christiane Mensching. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Präventivmedizin und Chefärztin für Geriatrie sieht den aktuellen Hype um Kontrasttherapie kritisch – zumindest dann, wenn es um extreme Anwendungen wie Eisbäder oder harte Wechsel zwischen Sauna und Eiswasser geht. Besonders für Frauen müsse man deutlich genauer hinschauen. "Hitze und Kälte sind immer Stressoren für den Körper", erklärt sie. Frauen würden auf diese Reize häufig empfindlicher reagieren als Männer.
Der Einfluss von Kälte auf die weiblichen Hormone
Vor allem intensive Kälteexposition könne Auswirkungen auf das hormonelle System von Frauen haben. Laut Mensching zeigen sich bei Frauen schneller Veränderungen der Geschlechts- und Schilddrüsenhormone, was unter anderem zu Zyklusstörungen führen könne. Besonders betroffen seien Frauen, deren Hormonsystem ohnehin bereits unter Stress stehe. "Frauen, die hormonell labil sind, reagieren heftiger darauf", sagt sie. Hintergrund sei unter anderem die Ausschüttung von Cortisol über die Nebennierenrinde. Auch ein erhöhtes Risiko für Entzündungsprozesse und damit möglicherweise für Fruchtbarkeitsprobleme werde in Studien diskutiert.
Tatsächlich gibt es zwar erste Hinweise darauf, dass Kälteanwendungen gesundheitliche Vorteile haben könnten. Studien beschäftigen sich etwa mit der Aktivierung des braunen Fettgewebes, das besonders viele Mitochondrien enthält und eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Außerdem werden mögliche Effekte auf sogenannte Sirtuine untersucht, also Proteine, die mit Zellschutz und Alterungsprozessen in Verbindung gebracht werden. Die wissenschaftliche Lage sei hier aber noch begrenzt, betont Mensching. Viele der Longevity-Versprechen rund um Eisbad und Co. seien bislang eher spekulativ. Deutlich besser untersucht seien dagegen klassische Maßnahmen wie Ausdauer- oder HIIT-Training, die ähnliche positive Effekte auf die Mitochondrien erzielen könnten, allerdings, und das ist der deutliche Vorteil, mit deutlich geringerem Risiko für Nebenwirkungen.
In welcher Form ist Wärme gut für Frauen?
Wärmeanwendungen bewertet die Allgemeinmedizinern insgesamt etwas positiver. Für Sauna und Wärme gebe es bessere wissenschaftliche Belege. Wärme könne – ähnlich wie Bewegung – die Herzfrequenz erhöhen und gleichzeitig entspannend wirken. Trotzdem gelte auch hier: Frauen reagieren anders als Männer. Besonders während der Wechseljahre oder in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus werde Hitze häufig schlechter vertragen. In der Lutealphase sei die Körpertemperatur ohnehin erhöht, erklärt Mensching, weshalb zusätzliche Wärme belastender sein könne. Zudem werde der Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten beim intensiven Saunieren oft unterschätzt, wenn es um Wärmeanwendungen geht.
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