Rheumatoide Arthritis: Trockene Augen können Vorbote für Autoimmunerkrankungen sein
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Trockene Augen sind weit verbreitet und meist harmlos. Doch sie können auch ein frühes Warnsignal für verschiedene Autoimmunerkrankungen sein, wie eine neue Studie aus Taiwan vermuten lässt.
Die Augen sind müde, gerötet, lichtempfindlich oder brennen und kratzen: Viele Menschen kennen diese Beschwerden. Frauen leiden etwa doppelt so oft unter trockenen Augen wie Männer.
Ein trockenes Auge hat im Wesentlichen zwei Ursachen:
Trockene Augen sind ein unliebsamer Begleiter vieler Augenerkrankungen, kommen aber auch bei anderen Krankheiten wie der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen vor. Auch bei Autoimmunerkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem unterschiedliche Organe und Gewebe angreift, sind sie ein häufiges Symptom.
Eine Forschungsgruppe um Nan-Ni Chen vom Chang Gung Memorial Hospital in Chiayi, Taiwan, untersuchte in einer Studie, wie häufig trockene Augen bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen auftreten und welche Zusammenhänge es mit weiteren Augenveränderungen gibt.
Besonders oft kamen trockene Augen beim Sjögren-Syndrom vor. Bei dieser Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen die Tränen- und Speicheldrüse. Auch Schäden an der Hornhaut waren beim Sjögren-Syndrom häufiger nachweisbar.
Bei den untersuchten Autoimmunerkrankungen gingen die trockenen Augen der Diagnose der jeweiligen Grunderkrankung im Durchschnitt drei Jahre voraus. Sie könnten daher ein frühes Warnzeichen sein, vermuten die Forschenden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „JAMA Network Open” veröffentlicht.
Die Forschungsgruppe analysierte die Daten von Menschen, bei denen eine Autoimmunerkrankung festgestellt worden war. Sie stützte sich auf Daten aus der Taiwan National Health Insurance Research Database (2008–2021). Diese Datenbank enthält die Daten von mehr als 99 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Taiwans. Sie identifizierte zehn verschiedene Autoimmunerkrankungen, die gehäuft vorkamen.
Die Diagnose einer Autoimmunerkrankung hatten 67.264 Patientinnen und Patienten zwischen 2011 und 2020 neu erhalten. Am häufigsten handelte es sich um die rheumatoide Arthritis (bei 36,6 Prozent), welche die Gelenke in Mitleidenschaft zieht, und das Sjögren-Syndrom (bei 34,3 Prozent).
- Beim Sjögren-Syndrom traten trockene Augen am häufigsten auf – nämlich bei 18.766 von 23.088 Personen (81,3 Prozent).
- Bei einer rheumatoiden Arthritis traten trockene Augen am zweithäufigsten auf, bei 9655 von 24.595 Personen (39,26 Prozent).
- Am seltensten traten trockene Augen beim Morbus Crohn auf, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED). Nur 309 von 1346 Betroffenen (23 Prozent) litten unter diesem Symptom.
Ein weiteres interessantes Ergebnis war, dass die trockenen Augen der Diagnose der Autoimmunerkrankung durchschnittlich rund drei Jahre vorausgingen. Über alle Autoimmunerkrankungen hinweg erhielten Menschen mit trockenen Augen in deutlich höherem Alter die Diagnose einer Autoimmunkrankheit als Personen, die nicht unter trockenen Augen litten.
Am deutlichsten war der Unterschied bei Morbus Crohn ausgeprägt. Im Schnitt erhielten Personen mit trockenen Augen diese Diagnose im Alter von rund 53 Jahren. Dagegen waren Menschen ohne trockene Augen bei der Diagnose einer Crohn-Krankheit deutlich jünger – nämlich durchschnittlich 39 Jahre alt.
Die Forschenden sehen darin einen zeitlichen Zusammenhang zwischen trockenen Augen und der späteren Diagnose von Autoimmunerkrankungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass trockene Augen bereits früh im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen auftreten können. Dadurch könnten Autoimmunerkrankungen möglicherweise früher erkannt werden.
Die Forschungsgruppe untersuchte außerdem, wie häufig Hornhautentzündungen (Keratitis) und Hornhautgeschwüre bei den verschiedenen Autoimmunerkrankungen auftraten. Trockene Augen können die Hornhaut anfälliger für Schäden machen, weil der schützende Tränenfilm gestört ist. Die Forschenden vermuten jedoch, dass auch die Autoimmunerkrankungen selbst bei diesen Veränderungen eine Rolle spielen könnten.
- Sjögren-Syndrom: Bei dieser Autoimmunerkrankung waren die Hornhautentzündungen und -geschwüre am häufigsten nachweisbar. 7097 Betroffene (30,7 Prozent) litten unter einer Keratitis, 766 Personen (3,3 Prozent) unter Geschwüren der Hornhaut.
- Rheumatoide Arthritis: Diese Autoimmunerkrankung greift vor allem die Gelenke an. Eine Keratitis hatten 5299 der Betroffenen (21,6 Prozent), Hornhautgeschwüre dagegen 727 Personen (3,0 Prozent).
- Systemischer Lupus Erythematodes (SLE): Das Abwehrsystem attackiert in diesem Fall verschiedene Organe und Gewebe, zum Beispiel die Haut, Gelenke und Nieren. 2320 Menschen mit SLE (23,8 Prozent) hatten eine Keratitis und 279 Personen (2,9 Prozent) ein Hornhautgeschwür.
- Vaskulitis: Hier sind die Blutgefäße das Angriffsziel des Immunsystems. 565 Betroffene entwickelten eine Keratitis (21,7 Prozent) und 53 Personen (2,5 Prozent) eine Geschwür der Hornhaut.
Je nach Autoimmunerkrankung traten Hornhautentzündungen und Hornhautgeschwüre unterschiedlich häufig auf:
Am höchsten sei das Risiko für Schäden an der Hornhaut bei einer Vaskulitis, wie diese Zahlen zeigen: Eine Keratitis entwickelten 94 von 341 Patientinnen und Patienten (27,6 Prozent), ein Hornhautgeschwür 36 von 341 Personen (10,6 Prozent). Die Gründe dafür vermuten die Forschenden zum Teil in genetischen Faktoren, aber auch in immunologischen Prozessen.
Die Aussagekraft der Studie sei jedoch durch mehrere Faktoren eingeschränkt, schreiben die Autorinnen und Autoren. So fehlten zum Beispiel detaillierte Augenuntersuchungen, Angaben zur Ausprägung und Schwere der Symptome oder Daten zur Behandlung. Auch Informationen zur Aktivität der jeweiligen Autoimmunerkrankung oder zu den Behandlungseffekten lagen nicht vor.
Dennoch lautet das Fazit der Forschungsgruppe: „Die Ergebnisse betonen die Wichtigkeit der Früherkennung und des proaktiven Managements der trockenen Augen, um Augenerkrankungen bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen zu vermindern.“
FOCUS




